Unterm Birnbaum: Das Meisterwerk von Theodor Fontane als freies eBook

 

I - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
II - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
III - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
IV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
V - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
IX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
X - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5



Vierundzwanzig Stunden später kam - und zwar auf die Meldung hin, die Geelhaar, gleich nach seinem Gespräche mit der Jeschke, bei der Behörde gemacht hatte - von Küstrin her ein offener Wagen, in dem, außer dem Kutscher, der Justizrat und Hradscheck saßen. Die Luft ging scharf, und die Sonne blendete, weshalb Vowinkel, um sich gegen beides zu schützen, seinen Mantel aufgeklappt, der Kutscher aber seinen Kopf bis an Nas und Ohren in den Pelzkragen hineingezogen hatte. Nur Hradscheck saß frei da, Luft und Licht, deren er seit länger als vier Wochen entbehrt hatte, begierig einsaugend. Der Wagen fuhr auf der Dammhöhe, von der aus sich das unten liegende Dorf bequem überblicken und beinah jedes einzelne Haus in aller Deutlichkeit erkennen ließ. Das da, mit dem schwarzen, teergestrichenen Gebälk, war das Schulhaus, und das gelbe, mit dem gläsernen Aussichtsturm, mußte Kunickes sein, Kunickes »Villa«, wie die Tschechiner es spöttisch nannten. Das niedrige grad gegenüber aber, das war seine, das sah er an dem Birnbaum, dessen schwarzes Gezweig über die mit Schnee bedeckte Dachfläche wegragte. Vowinkel bemerkte wohl, wie Hradscheck sich unwillkürlich auf seinem Sitze hob, aber nichts von Besorgnis drückte sich in seinen Mienen und Bewegungen aus, sondern nur Freude, seine Heimstätte wiederzusehen.

Im Dorfe selbst schien man der Ankunft des justizrätlichen Wagens schon entgegengesehen zu haben. Auf dem Vorplatz der Igelschen Brett- und Schneidemühle, die man, wenn man von der Küstriner Seite her kam, als erstes Gehöft zu passieren hatte (geradeso wie das Orthsche nach der Frankfurter Seite hin), stand der alte Brett- und Schneidemüller und fegte mit einem kurzen storrigen Besen den Schnee von der obersten Bretterlage fort, anscheinend aufs eifrigste mit dieser seiner Arbeit beschäftigt, in Wahrheit aber nur begierig, den herankommenden Hradscheck eher als irgendein anderer im Dorf gesehen zu haben.

 

 

Gesundheit

 

© 2008 - Impressum - Datenschutz
Unterm Birnbaum - Das Meisterwerk von Theodor Fontane aus dem Jahre 1885 als komplettes Online Buch mit allen 20 Kapiteln zum freien lesen.