Unterm Birnbaum: Das Meisterwerk von Theodor Fontane als freies eBook

 

I - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
II - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
III - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
IV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
V - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
IX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
X - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5



Eine Woche war seit jenem Tage vergangen, aber das Spielglück, das sich bei Hradscheck einstellen sollte, blieb aus und das Lottoglück auch. Trotz alledem gab er das Warten nicht auf, und da gerade Lotterie-Ziehzeit war, kam das Viertellos gar nicht mehr von seinem Pult. Es stand hier auf einem Ständerchen, ganz nach Art eines Fetisch, zu dem er nicht müde wurde respektvoll und beinah mit Andacht aufzublicken. Alle Morgen sah er in der Zeitung die Gewinn-Nummern durch, aber die seine fand er nicht, trotzdem sie unter ihren fünf Zahlen drei Sieben hatte und mit sieben dividiert glatt aufging. Seine Frau, die wohl wahrnahm, daß er litt, sprach ihm nach ihrer Art zu, nüchtern, aber nicht unfreundlich, und drang in ihn, »daß er den Lotteriezettel wenigstens vom Ständer herunternehmen möge, das verdrösse den Himmel nur, und wer dergleichen täte, kriege statt Rettung und Hilfe den Teufel und seine Sippschaft ins Haus. Das Los müsse weg. Wenn er wirklich beten wolle, so habe sie was Besseres für ihn, ein Marienbild, das der Bischof von Hildesheim geweiht und ihr bei der Firmelung geschenkt habe.«
Davon wollte nun aber der beständig zwischen Aber- und Unglauben hin und her schwankende Hradscheck nichts wissen. »Geh mir doch mit dem Bild, Ursel. Und wenn ich auch wollte, denke nur, welche Bescherung ich hätte, wenn's einer merkte. Die Bauern würden lachen von einem Dorfende bis ans andere, selbst Orth und Igel, die sonst keine Miene verziehen. Und mit der Pastor-Freundschaft wär's auch vorbei. Daß er zu dir hält, ist doch bloß, weil er dir den katholischen Unsinn ausgetrieben und einen Platz im Himmel, ja vielleicht an seiner Seite, gewonnen hat. Denn mit meinem Anspruch auf Himmel ist's nicht weit her.«

 

 

© 2008 - Impressum - Datenschutz
Unterm Birnbaum - Das Meisterwerk von Theodor Fontane aus dem Jahre 1885 als komplettes Online Buch mit allen 20 Kapiteln zum freien lesen.