Unterm Birnbaum: Das Meisterwerk von Theodor Fontane als freies eBook

 

I - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
II - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
III - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
IV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
V - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
VIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
IX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
X - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XV - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVI - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XVIII - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XIX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5
XX - S.1 S.2 S.3 S.4 S.5



Als Hradscheck bis an den Schwellstein gekommen war, nahm er das Grabscheit von der Schulter, lehnte die Krücke gegen das am Hause sich hinziehende Weinspalier und wusch sich die Hände, saubrer Mann, der er war, in einem Kübel, drin die Dachtraufe mündete. Danach trat er in den Flur und ging auf sein Wohnzimmer zu.
Hier traf er Ursel. Diese saß vor einem Nähtisch am Fenster und war, trotz der frühen Stunde, schon wieder in Toilette, ja noch sorglicher und geputzter als an dem Tage, wo sie die Kränze für die Kinder geflochten hatte. Das hochanschließende Kleid, das sie trug, war auch heute schlicht und dunkelfarbig (sie wußte, daß Schwarz sie kleidete), der blanke Ledergürtel aber wurde durch eine Bronzeschnalle von auffälliger Größe zusammengehalten, während in ihren Ohrringen lange birnenförmige Bummeln von venezianischer Perlenmasse hingen. Sie wirkten anspruchsvoll und störten mehr, als sie schmückten. Aber für dergleichen gebrach es ihr an Wahrnehmung, wie denn auch der mit Schildpatt ausgelegte Nähtisch, trotz all seiner Eleganz, zu den beiden hellblauen Atlassofas nicht recht passen wollte. Noch weniger zu dem weißen Trumeau. Links neben ihr, auf dem Fensterbrett, stand ein Arbeitskästchen, darin sie, gerade als Hradscheck eintrat, nach einem Faden suchte. Sie ließ sich dabei nicht stören und sah erst auf, als der Eintretende, halb scherzhaft, aber doch mit einem Anfluge von Tadel, sagte: »Nun, Ursel, schon in Staat? Und nichts zu tun mehr in der Küche?«
»Weil es fertig werden muß.«
»Was?«
»Das hier.« Und dabei hielt sie Hradscheck ein Samtkäppsel hin, an dem sie gerade nähte. »Wenig mit Liebe.«
»Für mich?«
»Nein. Dazu bist du nicht fromm und, was du lieber hören wirst, auch nicht alt genug.«
»Also für den Pastor?«
»Geraten.«
»Für den Pastor. Nun gut. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, und die Freundschaft mit einem Pastor kann man doppelt brauchen. Es gibt einem solch Ansehen. Und ich habe mir auch vorgenommen, ihn wieder öfter zu besuchen und mit Ede sonntags umschichtig in die Kirche zu gehen.«
»Das tu nur; er hat sich schon gewundert.«

 

© 2008 - Impressum - Datenschutz
Unterm Birnbaum - Das Meisterwerk von Theodor Fontane aus dem Jahre 1885 als komplettes Online Buch mit allen 20 Kapiteln zum freien lesen.